Auf dem Brett

8056 Kilometer weiter: Von der Freiheit und einem Hai

posted by Ronja 24. März 2017

Nach 8056 Kilometern Roadtrip auf Neuseelands Straßen bin ich jetzt fast wieder an meinem Ausgangspunkt Auckland angekommen. Ich verbringe die letzten Tage in Whangamata, wo es gute Wellen, Sonnenschein und Yoga gibt, also alles was ich brauche! Es tut gut an einem Ort zu bleiben, nachdem ich so viel gesehen habe. Irgendwann war ich gar nicht mehr aufnahmefähig, so viele neue Eindrücke, es war eine wunderbare Reizüberflutung.

Echte Freiheit

Ich fühle mich so frei und lebendig, das fühlt sich fantastisch an. Jeden Tag genau so zu verbringen, wie ich es will ist ein riesiger Luxus, für den ich sehr dankbar bin. Ich kann weiterfahren oder bleiben, surfen gehen oder wandern, Yoga machen oder einen Strandspaziergang. Diese Entscheidungen zu treffen macht Spaß und fällt leicht. Diese Freiheit könnte dazu verleiten mich verpflichtet zu fühlen, das Bestmögliche aus der Zeit zu machen, die Reiseplanung zu optimieren. Aber ich setze mich nicht unter Druck.

Ich fühle mich innerlich ganz gut geleitet von dem Gefühl, das zu tun, was jetzt für mich am Besten ist. Und wer diesen Blog schon länger verfolgt weiß, dass ich es liebe mich treiben zu lassen. Natürlich gibt es manchmal auch dunklere Tage, mit Heimwehmomenten, oder Jobsorgen, oder Kälte und Regen. Aber ohne Dunkelheit kein Licht!

Sharky waters

Und dann gab es da noch diesen einen Tag in Kaikoura, einem kleiner Ort auf der Südinsel, gezeichnet von einem schweren Erdbeben im letzten Jahr. Wichtige Zugangsstraßen sind noch verschüttet und im Örtchen sind einige Läden noch geschlossen, da die Häuser einsturzgefährdet sind. Es gibt tolle Surfspots in der Umgebung, und das Erdbeben hat sogar einen neuen Surfspot entstehen lassen.

Auf der Suche nach Wellen

Auf der Suche nach Wellen

Keine Panik

Jeden Tag ging ich zum Mangamaunu Spot, ein toller Point Break. Mit mir waren an diesem sonnigen Tag vielleicht zehn andere im Wasser, die Wellen waren gut, die Stimmung unter den Surfern entspannt. Dann höre ich einen älteren Mann hinter mir ganz ruhig sagen „hier ist ein Hai, ich gehe jetzt raus, der wird mir zu neugierig“. Ungläubigkeit und Schweigen bei den anderen Surfern, mir inklusive. Es dauerte zwei Momente bis die Information vom Kopf in den Muskeln angelangt war, dann setzten sich die Ersten in Bewegung und alle paddelten relativ ruhig, aber zielstrebig, an Land.

Wunderschöner Mangamaunu Break

Wunderschöner Mangamaunu Break

Dort angekommen merkte ich, dass mein Herz echt schnell schlug, ich war voller Adrenalin. Der Surfer erzählte nochmal ausführlicher: „Er war nicht besonders groß aber sehr neugierig, ist Kreise um mich geschwommen, hat mein Bein angestoßen und ist aufgetaucht, da habe ich ihm auf die Nase geboxt.“ Respekt!

Hi Hai

Erst an Land weckte der Hai eine Urangst in mir, ich legte ein paar Tage Surfpause ein und ging erst wieder auf der Nordinsel ins Wasser. Ich war sehr froh, dass ich den Hai nicht mit eigenen Augen gesehen hatte. Meine Gedanken kreisten darum, wie ich reagiert hätte, ich sah mich nicht einem Hai auf die Nase boxen. Wahrscheinlich reagiert man in so einem Moment instinktiv, und doch ist es sicher wichtig zu versuchen nicht in Panik zu geraten und stattdessen Blickkontakt mit dem Hai zu halten (Uaah). Statistik finde ich nicht so beruhigend, aber mir hilft es zu verdeutlichen, dass eine Haibegegnung nicht direkt den sicheren Tod oder einen fehlenden Arm zu haben bedeutet.

Ich fühle mich um ein Abenteuer reicher, und meine Liebe zum Meer spüre ich mittlerweile wieder ungetrübt. Ich genieße es, sie jeden Tag auszuleben. Und ich sauge jeden Sonnenstrahl auf, erfreue mich an den Kleinigkeiten und feiere ab, dass ich diese geniale Zeit für mich einrichten konnte. Nächster Halt: Sydney!

Auf dem Weg nach Kaikoura

Auf dem Weg nach Kaikoura

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2 Comments

Kuno 25. März 2017 at 12:19 am

Ein Hai?! Da wäre meine Pumpe schon bevor ich wieder an Land wäre heftig gegangen! Und der Surfer hat ihm wirklich eine verpasst?! Respekt auch von mir! Gut, dass euch allen nichts passiert ist. Im Nachhinein hört es sich super spannend und aufregend an, aber in dem Moment hätte ich nicht tauschen wollen.
Es ist schade von dem immer noch zerstörten Kaikoura zu lesen. Ich war kurz vor dem Erdbeben dort und mochte die langen Spaziergänge an der Küste.
Liebe Grüße, Kuno

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Ronja 29. März 2017 at 10:43 am

Hey Kuno, ich hätte mir diesen Moment (der sich zugegebenermaßen vorher schon öfter in meinem Kopf abgespielt hatte) auch immer viel panischer und hektischer vorgestellt. Richtig gut, dass der Körper dann scheinbar intuitiv richtig reagiert und ruhig bleibt. Ich glaube es schwang aber auch, zumindest bei mir, so ein Gefühl von keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen mit. Jetzt bin ich in Australien, mal sehen was mir hier so im Wasser begegnet 🙂

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