Auf dem Brett

Breathe, Baby: Der Atem beim Yoga und Surfen

posted by Ronja 12. August 2016
Atem Yoga Surfen

Letztens in einer Yogastunde. Die Bude ist voll, Matte an Matte. Nach ein paar Sonnengrüßen höre ich jemanden aus der Ecke hinten links schnaufen, als würde eine Dampflok angerollt kommen. Tütüüüt! läuten auch die Alarmglocken in meinen Ohren. Was macht denn Darth Vader hier?

Einatmen, ausatmen, fertig?

Klar, irgendwie atmen wir immer. Aber da geht noch mehr: wir können unbewusst atmen oder den Luftstrom steuern, können beeinflussen wie tief und wie schnell wir atmen, wir können die Luft anhalten oder bestimmte Atemtechniken anwenden. Im Alltag zeigt der Atem ziemlich genau, wie es einem grad geht. Deshalb lohnt es sich, ihn ab und zu bewusst wahrzunehmen und vor aufregenden Situationen mal drauf zu achten: Atmest du überhaupt? Atmest du flach? Atmest du tief?

Gerade beim Thema Atmung finde ich, dass Surfer sehr von Yoga profitieren und genauso Yogis von Surfern einiges dazulernen können.

Matte_mint

Om Shanti: Jetzt erstmal Luft holen

Alles was mit dem Atem zu tun hat wird im Yoga unter dem Begriff „Pranayama“ zusammengefasst. In vielen Yogastilen wird der Atem mit der Bewegung synchronisiert, das heißt eine Bewegung ist genau so lang wie ein Atemzug. Warum das Ganze? Es hilft dabei sich zu fokussieren, auf das berühmte Hier und Jetzt. Im Yoga gilt: Atem kontrollieren = Geist fokussieren.

„The mind is the king of the senses but the BREATH is the king of the mind.” ~ BKS Iyengar

Ein Trick um den Atem zu kontrollieren ist der Ujjayi Atem, bei dem die Stimmritze verengt und so der Luftstrom beschränkt wird. Eine Videoanleitung gibt’s hier (ab Min. 2:00). Das hört sich dann wie ein sanftes, gleichmäßiges Meeresrauschen an. Der Atem sollte von innen und außen leise hörbar sein, sich leicht anfühlen und angenehm sein. Wenn der Atem laut und schnaufend ist oder gar nicht mehr fließt kann das ein Zeichen dafür sein, dass man sich überfordert. Ich übe dann eine Variante der Position (Asana) oder mach eine Pause.

Der Atem entscheidet, wie weit ich in eine Asana gehe, nicht mein Kopf oder mein Ego. Die beiden werden mir immer sagen „du kannst noch mehr, du schaffst noch mehr, mach weiter“. Aber ich bin der Meinung: die Atmung ist wichtiger als die Asana.

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Luft über und unter Wasser

Beim Surfen möchte ich genauso, dass mir nicht die Puste ausgeht. Weder beim Paddeln noch wenn ich die Luft nach einem Wellen-Waschgang länger anhalten muss. Die richtige Atemtechnik hat einen Einfluss auf mein Wohlbefinden und mein Durchhaltevermögen im Wasser. Was mir hilft: Beim Paddeln gleichmäßig im Takt der Paddelzüge atmen. Ich atme ein während ich mit dem einen Arm einen Paddelzug mache, atme aus während ich mit dem anderen Arm paddle. Rhythmus ist hierbei der Schlüssel zum Glück. Ich atme auch manchmal Ujjayi während des Rauspaddelns. Mehr Paddeltipps gibt’s bei Stefan von TravelOnBoards hier.

Manchmal bin ich so geflasht davon eine Welle bekommen zu haben, dass es mir ganz schwer fällt auf andere Dinge wie Richtung, Position auf dem Brett oder die Atmung zu achten. Oft ertappe ich mich dabei wie ich die Luft anhalte. Wenn ich das merke und dann ganz bewusst weiteratme, entspanne ich mich und bekomme genau wie beim Yoga mehr Fokus auf das, was ich gerade tue.

Go with the Flow

Aber was wenn ich vom Brett falle, Hals und Nase vom Salzwasser brennen und ich nicht mehr weiß wo oben und unten ist? Schon in meinem ersten Surfkurs habe ich gelernt: Wenn du durchgewaschen wirst, versuch‘ dich zu entspannen. Je entspannter man innerlich bleibt, desto länger reicht die Luft. Leichter gesagt als getan! Gerade am Anfang fiel es mir ziemlich schwer unter Wasser ruhig in der Schutzhaltung abzuwarten. Mir hat eine regelmäßige Yogapraxis inklusive Pranayama sehr dabei geholfen darauf zu vertrauen, dass die Luft reicht bis ich wieder auftauche.

Fazit: Sowohl beim Yoga als auch beim Surfen bin ich dafür ehrlich zu sich selbst zu sein und einen Gang zurückzuschalten bevor die Puste ausgeht. Meeresrauschen hört sich sooo viel schöner an als eine Dampflok!

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