Auf dem Brett

Surflanka: Der Sprung ins warme Wasser

posted by Ronja 12. Januar 2017
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Viertel vor sechs morgens. Ich schlage die Augen auf, ziehe mich an, Katzenwäsche, schnappe mir mein Brett und überquere die Matara Road, die um diese Uhrzeit noch ganz ruhig ist. Ich schaue mir die Wellen an, sie brechen ganz sanft, ein paar Leute sind schon im Wasser. Ein bisschen aufwärmen und dann rauspaddeln. Es wird heller und schließlich erscheint die Sonne als rote Scheibe am Horizont. Schildkröten stecken ihren Kopf aus dem Wasser. Auf dem Surfbrett sitzend werde ich von den Wellenbergen angehoben. Ich schließe die Augen einen Moment und spüre: ich bin angekommen in Surf-Lanka!

Let’s Roll

Nachdem ich den Abstieg von einem 500 Euro Hotelzimmer (Dubai, bezahlt von Emirates) zu einem 17 Euro Zimmer verkraftet hatte, fing ich an die Gegend um Midigama zu erkunden. Ich wurde jeden Tag unabhängiger: ich mietete mir einen Roller, lieh mir ein Surfbrett und los ging’s.

Die Tage vergingen mit surfen und Yoga und köstlichem Essen, mit pastellgelben Sonnenaufgängen und goldenen Sonnenuntergängen, mit Dschungelgeräuschen, Rollerfahrten, streitenden Affen, Kokosnüssen, Facetime, Mückenstichen, Kakerlaken, lesen und Fotos machen.

Surflanka

Ich war das erste Mal so ganz auf mich gestellt im Wasser und musste selbst entscheiden wann ich wo surfe und welche Welle ich versuche zu bekommen. Bis jetzt war ich in Surfcamps oder habe zumindest Surfstunden genommen, was mir eine gewisse Sicherheit gegeben hat. Jetzt alleine ins Wasser zu gehen war aufregend, aber Wellen zu surfen die ich ganz eigenständig bekommen hatte fühlte sich doppelt gut an.

Die Wellen um Midigama waren klein und sanft und rollten mit einer zuverlässigen Beständigkeit den ganzen Tag. Leider machte ich auch Bekanntschaft mit dem Riff unter den Wellen und trug ein paar Kratzer und andere Surfwehwehchen davon. Manchmal bekam ich auch keine einzige Welle. Aber das gehört wohl auch dazu.

1 More Wave

Beim Surfen verbringt man ja nicht so viel Zeit damit auf dem Brett zu stehen, die meiste Zeit schaut man wie die Wellen sind, paddelt und wartet viel. Beim Warten ertappte ich mich dabei, Wünsche ans Meer zu schicken, als würde es mit sich reden lassen: Na komm schon, noch ein paar Wellen. Bitte nicht noch eine Weißwasserwalze in meine Richtung. Nur noch eine Welle und ich bin glücklich!

Gold

Gold

„Daughter, Daughter!“

In Midigama wohnte ich im Haus der gastfreundlichen Familie Kumara. Nach ein paar Tagen wurde ich quasi-adoptiert. Die Mama, Diani, kochte sehr leckere Curries, zum Frühstück gab es Banana Pancakes oder Kokosnuss Rotis. Mit den anderen Gästen habe ich mich auch sehr wohl gefühlt, ganz unterschiedliche Menschen: ein Künstler aus Kopenhagen, ein Drummer aus San Francisco und eine Familie aus England.

Saltwater Buddha

Die Tage vergehen langsam hier am Indischen Ozean, ich koste die einzelnen Momente aus und fühle mich so, als wäre ich schon einen Monat hier. Ich bin sehr dankbar, dass sich alles bisher so gefügt hat. Es ist toll jeden Tag entscheiden zu dürfen, was ich machen möchte und so viel Zeit für mich zu haben. Und es ist toll, noch so viele Tage vor mir zu haben, bis es wieder ans Paddeln geht.

Surfing is kind of a good metaphor for the rest of life.
The extremely good stuff – chocolate and great sex and weddings and hilarious jokes – fills a minute portion of an adult lifespan.
The rest of life is the paddling: work, paying bills, flossing, getting sick, dying.

Jaimal Yogis, Saltwater Buddha

Familienanschluss

Familienanschluss

Mittagspause am Meer

Mittagspause am Meer

Die Schienen als Fußweg

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Taking Flight

Taking Flight

Rooftop Chillout

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